Sie haben einen DNS-Eintrag geändert, aber Ihre Website zeigt noch die alte Version oder E-Mails landen noch beim alten Anbieter? Das liegt meist nicht an einem Fehler, sondern an der Funktionsweise des DNS. Dieser Artikel erklärt, was die TTL ist, warum Änderungen nicht überall sofort sichtbar sind und wie Sie Umstellungen so planen, dass sie schnell wirken.
Wie DNS-Abfragen funktionieren
Wenn jemand ihre-domain.at aufruft, fragt sein Computer nicht jedes Mal direkt bei Ihren Nameservern nach. Stattdessen fragt er einen Resolver, meist den des Internetanbieters oder einen öffentlichen wie 1.1.1.1. Der Resolver fragt einmal bei Ihren Nameservern nach und speichert die Antwort zwischen. Auch Betriebssystem und Browser haben einen eigenen Zwischenspeicher.
Wie lange die Antwort gespeichert werden darf, bestimmt die TTL (Time to Live) des Eintrags, angegeben in Sekunden.
Was die TTL bedeutet
| TTL | Entspricht | Bedeutung |
|---|---|---|
| 300 | 5 Minuten | Änderungen wirken schnell, mehr Abfragen an die Nameserver |
| 3600 | 1 Stunde | guter Standardwert |
| 86400 | 1 Tag | Änderungen können bis zu einem Tag dauern |
Ändern Sie einen Eintrag mit einer TTL von 86400, kann ein Resolver, der die alte Antwort gerade erst gespeichert hat, sie noch bis zu 24 Stunden weitergeben. Andere Resolver haben die alte Antwort vielleicht schon verworfen und zeigen bereits den neuen Wert. Deshalb sehen während einer Umstellung manche Personen die alte und andere die neue Website.
Dieser Vorgang wird oft als DNS-Propagation bezeichnet. Genau genommen verbreitet sich die Änderung nicht, sondern die alten Zwischenspeicher laufen nacheinander ab.
Änderung der Nameserver
Bei einem Wechsel der Nameserver gilt zusätzlich die TTL der Delegation bei der Registry, etwa bei nic.at für .at-Domains. Sie liegt häufig bei mehreren Stunden bis zu einem Tag und lässt sich von Ihnen nicht verändern. Rechnen Sie bei einem Nameserverwechsel deshalb mit bis zu 24, in seltenen Fällen 48 Stunden.
Umstellungen richtig planen
Wenn Sie zum Beispiel eine Website auf einen neuen Server umziehen, gehen Sie so vor:
- Mindestens einen Tag vorher: Senken Sie die TTL der betroffenen Einträge auf 300 Sekunden. Warten Sie dann mindestens so lange, wie die alte TTL beträgt.
- Umstellung: Ändern Sie den Eintrag auf den neuen Wert. Durch die kurze TTL wirkt die Änderung jetzt innerhalb weniger Minuten.
- Danach: Wenn alles funktioniert, setzen Sie die TTL wieder auf einen höheren Wert, etwa 3600.
Lassen Sie den alten Server noch einige Tage parallel laufen. So erreichen Besucher mit veralteten Zwischenspeichern weiterhin eine funktionierende Seite.
Aktuellen Stand prüfen
Bei Ihren eigenen Nameservern direkt nachfragen
So sehen Sie, was Ihre Nameserver tatsächlich ausliefern, unabhängig von Zwischenspeichern. Ersetzen Sie ns1.beispiel.at durch einen Ihrer Nameserver:
nslookup ihre-domain.at ns1.beispiel.at
dig @ns1.beispiel.at ihre-domain.at A
Bei öffentlichen Resolvern nachfragen
nslookup ihre-domain.at 1.1.1.1
nslookup ihre-domain.at 8.8.8.8
nslookup ihre-domain.at 9.9.9.9
Mit dig sehen Sie außerdem die verbleibende TTL im Zwischenspeicher des Resolvers. Die Zahl in der zweiten Spalte zählt herunter:
dig ihre-domain.at A @1.1.1.1
Online-Dienste wie dnschecker.org fragen gleichzeitig Resolver in vielen Ländern ab und zeigen, wo die Änderung schon angekommen ist.
Den eigenen Zwischenspeicher leeren
- Windows:
ipconfig /flushdns - macOS:
sudo dscacheutil -flushcache; sudo killall -HUP mDNSResponder - Linux mit systemd-resolved:
resolvectl flush-caches - Browser: In Chrome und Edge leeren Sie den Zwischenspeicher über
chrome://net-internals/#dnsbzw.edge://net-internals/#dns.
Auch Ihr Router speichert DNS-Antworten zwischen. Ein Neustart des Routers oder ein Test über das Mobilfunknetz hilft, um das auszuschließen.
Häufige Missverständnisse
- „DNS-Änderungen dauern immer 48 Stunden.“ Nein, bei einer kurzen TTL wirken Änderungen von A-, MX- oder TXT-Einträgen innerhalb von Minuten. Nur Nameserverwechsel dauern länger.
- „Bei mir geht es, also ist alles umgestellt.“ Ihr Resolver kann den neuen Wert bereits haben, andere noch nicht.
- Negative Antworten werden auch gespeichert: Haben Sie eine Subdomain abgefragt, bevor sie angelegt war, merkt sich der Resolver auch das „existiert nicht“ für eine gewisse Zeit.
Grundlegende Informationen zu DNS-Einträgen finden Sie in den Artikeln der Kategorie Domains & DNS, etwa DNS Overview.
