IPv6 ist der Nachfolger von IPv4 und wird von immer mehr Internetanbietern und Mobilfunknetzen standardmäßig verwendet. Ist Ihr Server auch per IPv6 erreichbar, gelangen diese Besucher direkt und ohne Umweg über Übersetzungsdienste zu Ihnen. Diese Anleitung zeigt, wie Sie eine statische IPv6-Adresse unter Ubuntu (Netplan) und Debian (ifupdown) einrichten und die Verbindung testen.
Die Angaben, die Sie benötigen
In Ihrer Bereitstellungs-E-Mail oder im Kundenbereich finden Sie:
- Ihr IPv6-Netz, zum Beispiel
2001:db8:1234:5678::/64 - das Gateway, zum Beispiel
2001:db8:1234:5678::1oder eine Link-Local-Adresse wiefe80::1
Aus Ihrem Netz wählen Sie eine Adresse für den Server, etwa 2001:db8:1234:5678::10. Was die Angabe /64 bedeutet, erklärt unser Artikel Subnetzpräfixlänge einfach erklärt.
Die Beispieladressen aus dem Bereich 2001:db8::/32 sind für Dokumentation reserviert. Verwenden Sie Ihre eigenen Adressen.
Schritt 1: Aktuellen Zustand prüfen
ip -6 addr show
ip -6 route show
Eine Adresse mit fe80:: am Anfang ist immer vorhanden. Sie gilt nur im lokalen Netzsegment und reicht nicht für den Zugang zum Internet. Ermitteln Sie außerdem den Namen der Netzwerkkarte, zum Beispiel eth0, ens18 oder enp1s0:
ip -br link
Schritt 2a: Ubuntu mit Netplan
Die Netplan-Konfiguration liegt in einer Datei unter /etc/netplan/, zum Beispiel 50-cloud-init.yaml. Sichern Sie die Datei, bevor Sie sie ändern:
sudo cp /etc/netplan/50-cloud-init.yaml /root/netplan-backup.yaml
Ergänzen Sie die IPv6-Adresse und die Route. Ein vollständiges Beispiel mit IPv4 und IPv6:
network:
version: 2
ethernets:
ens18:
addresses:
- 203.0.113.10/24
- 2001:db8:1234:5678::10/64
routes:
- to: default
via: 203.0.113.1
- to: default
via: 2001:db8:1234:5678::1
nameservers:
addresses:
- 1.1.1.1
- 2606:4700:4700::1111
Achten Sie auf die Einrückung mit Leerzeichen, Tabulatoren sind in YAML nicht erlaubt. Testen Sie die Konfiguration mit:
sudo netplan try
netplan try übernimmt die Einstellungen und setzt sie nach 120 Sekunden automatisch zurück, wenn Sie nicht mit Enter bestätigen. Verlieren Sie die Verbindung, wird so die alte Konfiguration wiederhergestellt.
Wenn cloud-init die Netzwerkkonfiguration bei jedem Neustart überschreibt, deaktivieren Sie das:
echo 'network: {config: disabled}' | sudo tee /etc/cloud/cloud.cfg.d/99-disable-network-config.cfg
Schritt 2b: Debian mit ifupdown
Unter Debian liegt die Konfiguration in /etc/network/interfaces. Ergänzen Sie unterhalb der IPv4-Einstellungen:
iface ens18 inet6 static
address 2001:db8:1234:5678::10/64
gateway 2001:db8:1234:5678::1
accept_ra 0
accept_ra 0 verhindert, dass der Server zusätzlich automatische Adressen oder Routen übernimmt. Übernehmen Sie die Änderung:
sudo ifdown ens18 && sudo ifup ens18
Führen Sie diesen Befehl über die Konsole im Kundenbereich aus, nicht über SSH. Die Verbindung wird kurz unterbrochen, und bei einem Fehler sperren Sie sich sonst aus. Alternativ starten Sie den Server neu.
Schritt 3: Verbindung testen
ip -6 addr show dev ens18
ip -6 route show default
ping -6 -c 4 2606:4700:4700::1111
curl -6 https://ifconfig.co
Der letzte Befehl sollte Ihre neue IPv6-Adresse zurückgeben.
Schritt 4: DNS-Eintrag anlegen
Damit Ihre Domain per IPv6 erreichbar ist, legen Sie in Ihrer DNS-Verwaltung einen AAAA-Eintrag mit der neuen Adresse an. Prüfen Sie ihn mit:
dig +short AAAA ihre-domain.at
Wichtig: Legen Sie den AAAA-Eintrag erst an, wenn alle Dienste auch per IPv6 funktionieren. Viele Browser bevorzugen IPv6. Ist der Dienst dort nicht erreichbar, kommt es zu Verzögerungen oder Fehlern.
Schritt 5: Firewall und Dienste prüfen
- UFW verwaltet IPv6 automatisch mit, sofern in
/etc/default/ufwder WertIPV6=yesgesetzt ist. - iptables: Für IPv6 gibt es eigene Regeln über
ip6tables. Regeln für IPv4 gelten nicht automatisch auch für IPv6. - Dienste: Webserver und andere Dienste müssen auch auf IPv6 lauschen. Das prüfen Sie mit
sudo ss -tlpn. Einträge mit[::]lauschen auf IPv6.
Fehlerbehebung
Adresse ist gesetzt, aber kein Ping ins Internet
Prüfen Sie, ob eine Default-Route existiert und das Gateway richtig eingetragen ist. Bei Link-Local-Gateways wie fe80::1 muss das Interface angegeben werden. Netplan und ifupdown erledigen das automatisch.
Verbindung bricht nach einiger Zeit ab
Manchmal blockiert eine Firewall die für IPv6 unverzichtbaren ICMPv6-Pakete, etwa Neighbor Discovery. Erlauben Sie ICMPv6 vollständig. UFW tut das in der Standardeinstellung.
Mail wird abgelehnt
Für Mailserver benötigen Sie zusätzlich einen passenden Reverse-DNS-Eintrag (PTR) für die IPv6-Adresse. Diesen richten wir auf Anfrage per Ticket ein.
Alle vServer und Dedicated Server bei Alpenhost können mit IPv6 betrieben werden.
