Markenserver von HPE und Dell verwenden häufig einen Hardware-RAID-Controller: HPE Smart Array bzw. HPE MR bei ProLiant-Servern und Dell PERC bei PowerEdge-Servern. Der Controller fasst mehrere Festplatten oder SSDs zu logischen Laufwerken zusammen und kümmert sich selbst um die Redundanz. Damit Sie einen Defekt rechtzeitig bemerken, sollten Sie den Zustand regelmäßig prüfen. Diese Anleitung zeigt, wie das im BMC und unter Linux funktioniert.

Hardware-RAID und Software-RAID

  • Beim Hardware-RAID sieht das Betriebssystem nur das logische Laufwerk, zum Beispiel /dev/sda. Die einzelnen Datenträger sind dahinter verborgen. Werkzeuge wie smartctl oder /proc/mdstat zeigen deshalb nicht den Zustand der einzelnen Platten.
  • Beim Software-RAID verwaltet Linux die Datenträger selbst, siehe Software-RAID mit NVMe-Datenträgern prüfen und verwalten.

Mit diesem Befehl sehen Sie, ob ein RAID-Controller verbaut ist:

lspci | grep -iE 'raid|smart array|perc|megaraid'

Zustand im BMC prüfen

Der einfachste Weg führt über den Management-Controller, erreichbar über VPN:

  • HPE iLO: System Information → Storage. Dort sehen Sie Controller, logische Laufwerke und jede einzelne Platte mit Status.
  • Dell iDRAC: Speicher → Übersicht, Virtuelle Laufwerke und Physische Laufwerke

Alle Einträge sollten den Status OK bzw. Online zeigen. Warnungen erscheinen zusätzlich im Ereignisprotokoll des BMC.

Zustand unter Linux prüfen

HPE Smart Array: ssacli

HPE stellt das Werkzeug ssacli über das Software-Repository HPE Management Component Pack (MCP) für Debian und Ubuntu bereit. Nach der Installation:

ssacli ctrl all show status
ssacli ctrl all show config
ssacli ctrl slot=0 pd all show status

Die Ausgabe zeigt Controller-Status, Cache und Batterie bzw. Kondensator sowie den Zustand jedes logischen und physischen Laufwerks. Die Slot-Nummer entnehmen Sie der ersten Ausgabe.

Dell PERC: perccli

Dell bietet perccli zum Download auf der Supportseite des Servers an. Suchen Sie dort nach Ihrem Service-Tag. Nach der Installation:

perccli64 /call show
perccli64 /c0/vall show
perccli64 /c0/eall/sall show

Virtuelle Laufwerke sollten den Status Optl (optimal) haben, physische Laufwerke Onln (online).

SMART-Werte hinter dem Controller

Mit smartctl lassen sich die einzelnen Platten auch hinter dem Controller abfragen:

# HPE Smart Array, Platte 0
smartctl -a -d cciss,0 /dev/sda
# Dell PERC (MegaRAID), Platte 0
smartctl -a -d megaraid,0 /dev/sda

Wichtige Zustände

AnzeigeBedeutungWas tun?
OK / Optimal / Onlinealles in Ordnungnichts
Rebuilding / RecoveringDaten werden auf eine neue Platte übertragenabwarten, Leistung ist kurzzeitig reduziert
Degraded / Interim Recoveryeine Platte ist ausgefallen, keine Redundanzsofort Ticket eröffnen
Predictive Failuredie Platte meldet einen bevorstehenden AusfallTicket eröffnen, Tausch planen
Failed / Offline (logisches Laufwerk)Daten nicht verfügbarsofort Ticket eröffnen, nichts verändern

Eine Platte ist ausgefallen

  1. Nichts am RAID verändern. Löschen oder initialisieren Sie keine logischen Laufwerke.
  2. Prüfen Sie, ob ein aktuelles Backup vorhanden ist.
  3. Eröffnen Sie ein Ticket. Nennen Sie den betroffenen Steckplatz (Bay bzw. Slot) und bei Dell den Service-Tag.
  4. Wir tauschen die Platte. Bei Hot-Swap-Laufwerken ist das meist im laufenden Betrieb möglich.
  5. Der Controller beginnt automatisch mit dem Wiederaufbau. Den Fortschritt sehen Sie im BMC oder mit ssacli bzw. perccli.

Cache und Batterie

Viele RAID-Controller beschleunigen Schreibvorgänge mit einem Cache, der durch eine Batterie oder einen Kondensator gegen Stromausfall geschützt ist. Ist dieser Schutz defekt, schaltet der Controller den Schreibcache ab. Der Server wird dann deutlich langsamer. Achten Sie in der Ausgabe von ssacli bzw. perccli auf den Status von Battery, Capacitor oder BBU.

Häufige Fragen

Kann ich das RAID selbst umbauen?

Technisch ja, über das BMC oder die Werkzeuge oben. Dabei gehen in der Regel alle Daten verloren. Sprechen Sie größere Änderungen bitte vorher mit uns ab.

Ersetzt RAID ein Backup?

Nein. Ein RAID schützt nur vor dem Ausfall einzelner Datenträger, nicht vor gelöschten Daten, Schadsoftware oder Fehlern des Controllers selbst.

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